Im Rahmen meiner Bachelorarbeit mit dem Titel “Exploring pressure sensitive touch gestures and their impact in project management apps” hier bei der Scandio habe ich JIRA Control entwickelt, einen prototypischen JIRA Client, der die drucksensitive Eingabe  nutzt, wie beispielsweise auch Apples 3D Touch.

Die drucksensitive Eingabe ist schon lange Gegenstand der Forschung und fand nun endlich den Weg in ein Endverbraucher-Produkt durch Apples Entwicklung von 3D Touch beim neuesten iPhone 6s. Diese neue Technik gibt sowohl Nutzern als auch Entwicklern zahlreiche neue Möglichkeiten an die Hand; einerseits durch das erweiterte Eingabevokabular und andererseits durch den weiteren Freiheitsgrad, der dadurch gewonnen wurde. Auf Basis dieser neuen Möglichkeiten können Entwickler alte Interaktionstechniken überdenken, sie mithilfe von drucksensitiver Eingabe verbessern oder neue entwickeln.

Im Zuge meiner Arbeit habe ich zwei Nutzerstudien durchgeführt, einmal um eine solide Wissensbasis für die drucksensitive Eingabe aufzubauen und außerdem um diese Technologie mit bekannten Technologien zu vergleichen.

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Mit  Pressure Issue können Aufgaben in JIRA Control  auf eine völlig neue Art und Weise priorisiert werden.

Die Aufgaben werden über die JIRA REST API empfangen und mit ihrem Key, einer kurzen Beschreibung und der aktuellen Priorität angezeigt. Durch das Anwenden von Druck auf eine Zelle in der Tabelle kann die zugehörige Aufgabe in ihrer Priorität geändert werden. Hoher Druck resultiert in einer hohen Priorität (kritisch oder vorrangig) und niedriger Druck resultiert folglich in einer niedrigen Priorität (gering oder unerheblich) sowie mittlerer Druck in einer mittleren Priorität (normal). Visuelles Feedback ist durch die wechselnde Hintergrundfarbe gegeben, die sich je nach ausgeübtem Druck farblich anpasst. Dank dieser neuen Art der Interaktion ist das Priorisieren von Aufgaben schnell und leicht zu handhaben.

Außerdem wurde eine Druck-Schwelle_ _festgelegt, um ungewollte Prioritätsänderungen beim Scrollen oder Ähnlichem zu verhindern. Mit dieser Beschränkung ist es notwendig, zuerst maximalen Druck auszuüben, um dann so lange Druck abzulassen bis die gewünschte Priorität erreicht ist.

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Ein zweites Feature von JIRA Control ist Stress Issue.

Stress Issue ist ein komplett neu entwickeltes Feature, welches so auch noch nicht in JIRA zu finden ist. In dieser Ansicht sieht man wieder eine Liste von Aufgaben mit Key, Beschreibung und diesmal dem zugewiesenen Bearbeiter. Wie es scheint, habe ich in nächster Zeit viel zu tun. ;) Die Idee für dieses Feature war, der drucksensitiven Eingabe noch mehr Bedeutung zu geben — in Stress Issue kann man Druck machen. Durch einen starken Druck auf eine Aufgabe wird, sobald ein vorgegebener Druckwert überschritten wird, diese als gestresst markiert. Zur Zeit resultiert ein S_tressen_ nur in einem JIRA Label, weitere Entwicklung könnten aber ein JIRA Plugin oder auch Mitteilungen auf dem Handy der jeweiligen Person beinhalten.

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JQL Suchanfragen sind sowohl in Pressure Issue  als auch in Stress Issue möglich.

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Eine dritte Funktion von JIRA Control ist  Diagram View.

Die Kombination beider JIRA API’s stellt alle Informationen bereit, die zur Berechnung eines Burndown-Charts notwendig sind. Der Nutzer kann sich Burndown-Charts für jeden aktiven Sprint ansehen. Außerdem wurde Force Zoom , eine drucksensitive Zoom-Technologie, integriert. Durch mittleren bis hohen Druck kann in den Graph hinein gezoomt werden, das Ablassen des Drucks führt dann wiederum zum Rauszoomen aus dem Graph. Mit dieser neuen Technologie können Nutzer mit nur einer Hand zoomen, was mit herkömmlichen ‘Pinch-to-Zoom-Gesten’ nicht möglich ist, da immer eine zweite Hand zum Halten des Geräts benötigt wird.

Die Studien und die darauf folgende statistische Auswertung derer zeigte einen signifikanten zeitlichen Vorteil für die drucksensitive Art der Prioritätsänderung. Weiterhin ist die minimale Zeit zur Selektion halb so lang für die drucksensitive Eingabe. Die Befragung der Studienteilnehmer zeigte außerdem eine starke Präferenz für die drucksensitive Variante von Stress Issue und eine große Überzeugung, dass mehr Übung zu noch besseren Ergebnissen führen wird.

Eine Präsentation mit weiteren Details zu den Features und der Evaluierung derer finden Sie hier.

Zudem habe ich JIRA Control nachfolgend auch noch in einem kurzen Screencast dargestellt.