In diesem Blogpost erzählt unsere Kollegin Carla, wie sich für sie die Arbeit in der IT anfühlt.

Universität Augsburg, Informatik-Gebäude: Es gab einen spontanen Raumwechsel. Der Dozent betritt einige Minuten verspätet den Raum und verkündet “Ah, hier sind Sie! Ich war erst drüben im Raum 1023, aber dachte mir beim Reinschauen schon: So viele Frauen, das ist nicht meine Vorlesung.” Wissendes Gelächter im Raum. In dem Raum, in dem unsere Vorlesung an anderen Tagen normalerweise stattfindet, sitzen 95% Frauen - es ist die Veranstaltung einer nicht-MINT- Fakultät. Hier im Saal bin ich dagegen eine von 3 Frauen unter ca. 40 Studenten. Der Unterschied ist nicht zu übersehen.

Dieser niedrige Frauenanteil war typisch während meines Studiums, wie in so vielen technischen Ausbildungen und Berufen. Das ist bekannt, genauso wie die Tatsache, dass in vielen sozialen Berufen Männer unterrepräsentiert sind. An sich muss das nicht unbedingt ein Problem sein, auch wenn heterogene Teams durchaus Vorteile mit sich bringen. Unangenehm wird es aber immer dann, wenn der individuelle Mensch an sich nicht gesehen wird, sondern das Klischee alles überlagert. Wenn nur aufgrund von Vorurteilen sofort geurteilt wird, wer was kann, will oder darf und andere Möglichkeiten gar nicht ernsthaft erwogen werden.

Ich persönlich habe das große Glück, dass ich nie auch nur darüber nachgedacht habe, ob meine zwei X- Chromosomen vielleicht meine Fähigkeit zum logischen Denken oder technischen Verständnis zunichte machen könnten - nicht zuletzt, weil ich von klein auf viele Frauen in MINT-Berufen kannte.

Deshalb konnte ich über merkwürdige Einstellungen von einigen Lehrern, Dozenten, Kommilitonen und Kunden hinwegsehen und die ungläubigen oder übertrieben erstaunten Reaktionen auf meine Berufswahl mit einem Schulterzucken abtun. Ich habe außerdem das Glück in einer Firma zu arbeiten, in der mein Geschlecht für die Arbeit schlicht keine Rolle spielt und ich genauso Softwareentwickler bin wie meine männlichen Kollegen.

Trotzdem begegne ich diesen Vorurteilen in anderen Umgebungen immer noch oft genug und weiß welche Hürden sie darstellen können. Sie sind noch viel zu weit verbreitet, sie schaden allen Beteiligten und viel Potential bleibt ungenutzt. In gewissem Maße wird es sicher immer Klischees geben und ich denke nicht, dass in jedem Fachbereich eine 50:50 Geschlechterverteilung realistisch oder notwendig ist. Aber ich wünsche mir, dass jeder Mensch seine Interessen verfolgen kann, ohne von der Gesellschaft Steine in den Weg gelegt zu bekommen - völlig unabhängig davon, ob diese Interessen “typisch weiblich”/”typisch männlich” sind oder nicht.

Insofern, liebe_r Leser_in, hast du Lust auf die IT? Wir bei der Scandio freuen uns auf deine Bewerbung!

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