Durch den Boom, den die Digitalisierung in den letzten Jahren erfahren hat, produzieren Unternehmen so viele Daten wie nie zuvor. Um diese Mengen an Daten zu verarbeiten, braucht es leistungsstarke IT-Infrastrukturen und Teams, die diese Systeme am Laufen halten. Soweit zur Theorie. In der Realität jedoch herrscht ein akuter Fachkräfte-Mangel in der IT-Industrie und der Ausfall eines Systems kann schnell Kosten in Millionenhöhe verursachen.

Evolution der Automatisierung

Betrachten wir IT-Umgebungen allerdings als komplexe Ökosysteme, bleibt nur eine logische Konsequenz: Evolution. Evolution findet immer und überall statt, und in diesem Fall ist das Ziel der Weiterentwicklung die Unabhängigkeit von manuellen Konfigurationen zur Aufrechterhaltung des Systems bei unerwarteten Störungen. Kurz gesagt: eine sich selbst heilende Infrastruktur, eine “Self-Healing Infrastructure”.

Wie umständlich wäre unser Leben, wenn unser Körper bei jedem Schnitt an einem Stück Papier oder bei jedem Stoß an der Bettkante für Stunden funktionsunfähig wäre? Ein Hoch auf unsere Selbstheilungskräfte! Warum also sollten wir dieses Prinzip nicht auf unsere IT-Infrastrukturen anwenden, die inzwischen fast genauso unersetzbar in unserem Alltag geworden sind wie ein gesunder Körper?

Denn angesichts der starken Abhängigkeit von IT-Prozessen heutzutage sollten DevOps Teams in der Lage sein, Probleme in der Infrastruktur sofort und automatisch zu beheben, um sicherzustellen, dass die Geschäftsprozesse nicht durch einen Ausfall unterbrochen werden. Das Ziel einer selbstheilenden Infrastruktur ist es, die Automatisierung so weit voran zu treiben, dass Störfaktoren ohne manuelles Eingreifen erkannt und behoben werden können, bevor es zu einem kostenintensiven Ausfall kommt.

Perspektiven einer “Self-Healing Infrastructure”

Der schwierigste Teil im Evolutionsprozess besteht darin, ein neues Mindset zu etablieren und neue Strukturen einzuführen. Wenn manuelle Konfigurationen immer und immer wieder ausgeführt und nie hinterfragt werden, kann es zuweilen schwierig sein, diese Prozesse zu automatisieren. Doch die Aussichten, die die Implementierung von neuen Technologien wie Künstliche Intelligenz, Machine Learning und automatisierte Infrastruktur mit sich bringt, sprechen für sich. Da kontinuierliche Weiterbildung zum Alltag eines jeden IT-Spezialisten gehört, sollten das Verständnis der Vorteile und die Umsetzung von KI und maschinellem Lernen höchste Priorität im Incident Management haben.

Durch die Automatisierung des Incident Management Prozesses können Teams in Echtzeit auf die Meldung von eventuellen Problemen reagieren. Sie müssen lediglich die von der selbstheilenden Infrastruktur angebotenen Lösung genehmigen. Auf diese Weise wenden DevOps-Teams weniger Zeit für operative Aufgaben auf und können sich verstärkt auf Innovationen konzentrieren.

Best Practices

Es gibt noch keine spezifische Roadmap zum Aufbau einer solchen Infrastruktur. Genauso, wie wir das Zusammenspiel all unserer Sinne brauchen, um unsere Umwelt wahrzunehmen, basiert auch eine selbstheilende Infrastruktur letztendlich auf verschiedenen Komponenten, die miteinander agieren. Hauptsächlich geht es darum, die Möglichkeit zur Überwachung der Systeme mit künstlicher Intelligenz zu vereinen. Analog zu unseren Sinnen sind diese Komponenten: Logs, Traces und Metrics. Jede dieser Komponenten berichtet uns etwas Anderes, im Zusammenspiel können Development Teams allerdings schnell ermitteln, wo und wann es welches Problem gab und dementsprechende Schritte einleiten.

Eine weitere essenzielle Praxis auf dem Weg zu einer selbstheilenden Infrastruktur ist die Automatisierung der Infrastruktur an sich. Das Schlüsselwort lautet hier “Infrastructure as Code” (IaC). Wenn keine Server mehr manuell bereitgestellt und konfiguriert werden müssen, können sich DevOps Teams vorrangig darum kümmern, die Performance des Systems zu verbessern. Durch die Verwendung von Code können Fehlerquellen in einem Bruchteil der Zeit lokalisiert werden.

Mehr zum Thema "Infrastructure as Code" gibt es hier:
Infrastructure as Code - Moderne DevOps Praxis und Mittel gegen Vendor Lock-In

“Self-Healing Infrastructure” auf dem Vormarsch

Was vor ein paar Jahren noch wie eine utopische Vision klang, könnte bald Teil von alltäglichen Unternehmens-Prozessen sein. Durch die konstante Weiterentwicklung der Automatisierung werden nach und nach immer mehr Best Practices im Incident Management etabliert und übernommen. Neben einer massiven Senkung der Kosten für den Betrieb der IT Systeme trägt der Aufbau einer selbstheilenden Infrastruktur auch dazu bei, dass die Systeme durch die Automatisierung von Überwachungsmaßnahmen effektiver gesichert werden. Durch die kontinuierliche Optimierung der Serviceverfügbarkeit müssen Unternehmen keine teuren Ausfallzeiten mehr befürchten und können sich stattdessen auf den Ausbau ihres Kundenservice konzentrieren.


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